Mittwoch, 17.08.2022 08:45 Uhr

Ein Lehrer in Saudi

Verantwortlicher Autor: Theo Goumas Riad, 01.01.2022, 10:19 Uhr
Presse-Ressort von: Theodoros Goumas Bericht 5748x gelesen

Riad [ENA] Ein Lehrer beschließt, das von der Wirtschaftskrise gebeutelte Europa für eine Zeitlang den Rücken zu kehren und sein Glück in Saudi-Arabien zu suchen. Er bewirbt sich als Englischlehrer und nach vielen Absagen, kommt doch noch eine Zusage, allerdings mit Vitamin B. Das ist der Beginn einer wunderbaren Reise in ein verschlossenes Land, das kaum jemand kennt. Eine wahre Geschichte in Teilen erzählt. Teil 2.

Anes merkt schon von weitem, dass die Tanke zu sein würde, und tatsächlich, alles dicht. Ein paar Autos stehen rum und warten. Wir fahren auf der einen Seite rein und auf der anderen wieder raus auf die Autobahn. Super, denke ich mir. So komme ich schneller ins Bett. Als wir im hohen Tempo durch die Nacht rasen und dem Gesang des Muezzin lauschen, schliesse ich für einen kurzen Moment die Augen und entschwebe in einem Traum von 1001 Nacht. Die Tortur der fast 2-stündigen Einreise ist auf einmal sehr weit weg. Irgendwo habe ich gelesen, dass man bei der Frage nach der Religion unbedingt eine angeben sollte, sonst kann es Ärger geben.

Ich überlegte mir kurz mir einen Spaß zu erlauben und Pastafarianism hinzuschreiben, aber dann kamen wieder die Szenen vom Kerker in den Filmen ‚Im Juli’ und ‚Midnight Express’. Also schrieb ich brav Christ hin. Anes’ Satz, „Lass uns frühstücken gehen!“ bringt mich aus entfernten Fantasien ganz schnell in den kalten Morgengrauen Riads zurück. Wie bitte? Hat er einen Vogel? Ich bin seit über 30 Stunden wach, bin über drei Kontinente geflogen und möchte so schnell wie möglich ins Bett. Außerdem habe ich einmal im ersten Flieger was gegessen, dann war ich im Kairoer Flughafen bei Burger King und hatte kurz nach Mitternacht noch mal das Vergnügen zu speisen. Mein Magen ist voll und verträgt nichts mehr. Nix da!

Mein Filipino zeigt sich sehr entschlossen und duldet keine Widerrede. Nach 20-minütiger wilder Fahrt über extrabreite Autobahnen kommen wir im Hotel an. Er gibt mir eine halbe Stunde mich im Zimmer einzurichten und frisch zu machen. Als wir von der Autobahn in ein Neubaugebiet abbiegen sehe ich schon die ersten Hotels. Hohe Gebäude aus Glas, alles was Rang und Namen hat, eines nach dem anderen aufgereiht, mit Springbrunnen, usw. Mein Filipino macht aber keine Anstalten in eines der großen Namen abzubiegen und fährt weiter. Irgendwann halten wir vor einem Gebäude das außer dem Erdgeschoß, zwei Etagen hat.

Auf der Fassade ist der Name des Hotels in großen Neonbuchstaben, daneben die Telefonnummer und an den Ecken geht eine grüne Beleuchtung nach oben. Oh Gott, wie eine Bahnhofsabsteige schaut der Kasten aus! Die Lobby bietet jedoch ein völlig anderes Bild. Flauschig und gemütlich. Der Herr am Empfang springt aus seinem Schlaf, begrüßt Anes, nimmt den Schlüssel, gibt ihn ihm und wir steigen in den Fahrstuhl und fahren zur 2. Etage. Als er die Tür aufsperrt bleibt mir die Spucke weg. Was mich verwundert ist nicht etwa die Ausstattung, nein, das Zimmer ist zwar spartanisch aber schön eingerichtet, es liegt vielmehr an der Größe. Was mir vorhin schon auf der Autobahn und im Viertel auffiel, treffe ich hier wieder an. Das Zimmer ist riesig!

Klimaanlage

Kein Vergleich zu den winzigen Zimmern die wir in Europa oder sonst wo haben. 30qm sind keine Untertreibung. Anes geht runter zur Lobby und lässt mich allein. Zur Einrichtung gehören: ein Doppelbett 2x2, zwei Nachtkästchen, ein Flachbildfernseher, ein Schrank, zwei Sessel mit Tisch, ein Kühlschrank, ein Tisch mit großem Spiegel. Als ich die Tür zum Badezimmer öffne erblicke ich im wahrsten Sinne des Wortes ein Zimmer. 15qm! Die Dusche allein ist 5qm. Ich schaue mich noch kurz um bevor ich das Zimmer verlasse um in den Lift zu steigen. Keine Heizkörper, nur Klimaanlagen. Modelle die ich vorher nie gesehen habe. Unten warten zwei Mitarbeiter von Anes mit denen er auf Geschäftsreise war.

Die müssen wir nach Hause fahren und dann geht es zum Frühstücken. Die zwei aus Bangladesch steigen hinten ein und wollen so einiges von mir wissen. Die Fragerei stört mich einerseits, weil ich nicht viel von der Landschaft mitbekomme – immerhin geht langsam die Sonne auf, anderseits ist es gut, denn Anes fährt wie ein Verrückter und die Beiden lenken mich ab. Als die Beiden aussteigen, ist es schon hell. Wir fahren an Baustellen vorbei und bevor ich fragen kann, erzählt Anes, dass sich das ganze Land im Bau befindet. Überall wird heftig und fleißig gebaut. Die Petrodollars werden investiert. Ich bin bis jetzt immer noch von den Straßen und deren Zustand begeistert. Gut asphaltiert und sehr breit.

Auch in Wohnvierteln, was bei uns 30er Zone und eng mit Schikanen ist, sind die Straßen hier mindestens zehn Meter breit, aber mit Erhebungen die einem zum bremsen zwingen. Das fiese dabei ist deren Farbe die man nicht von der Fahrbahn unterscheiden kann. Wer so eine Erhebung nicht rechtzeitig sieht, tut sich und seinem Auto weh. Als wir so durch die noch leeren Straßen düsen, meint Anes, dass die Leute hier wie die Verrückten fahren. Es wird gerast, gehupt, überholt, sich in jede noch so kleine Lücke gequetscht, abgebogen ohne zu blinken, nebeneinander gefahren, Fahrbahn einfach so gewechselt, usw. Mich erinnert das Ganze an einem PlayStation-Autorennen. Viele der Autos haben Kratzer und Beulen.

Frühstück

Wir parken vor einer Reihe von Geschäften und gehen in ein Lokal rein. Es ist sehr, sehr schlicht. Weiße Wände mit Kacheln bis zu einer Höhe von fast zwei Metern, Metalltischen und Holzstühlen, Papiertischdecken, Karaffen mit Wasser und Boxen mit Papiertüchern. Wir gehen uns die Hände waschen und Anes bestellt etwas das nach nicht mal zwei Minuten kommt. Eine Blechpfanne mit Linsensuppe, ein Fladenbrot, zwei Tees und zwei Laban – saures Milchgetränk. Gegessen wird ohne Besteck. Man nimmt kleine Stücke vom Fladenbrot und taucht sie in die Linsensuppe ein. Das Brot wird praktisch zum Löffel. Die saure Milch ist etwas gewöhnungsbedürftig, ich kenne es aus Griechenland und von meinen türkischen Freunden. Der Tee schmeckt sehr lecker.

Fladenbrot

Habe gleich einen zweiten bestellt. Um uns herum sitzen nur Männer die verstohlen auf mich schauen. Ich kann es mir nicht verkneifen Bilder vom Frühstück zu machen. Da das Fotografieren in diesem Land eine heikle Angelegenheit ist, habe ich meine schwere Canon DSLR zu Hause gelassen und bin mit zwei Blackberries und einer Casio Exilim unterwegs. Fällt nicht so auf. Auf dem Weg zurück ins Hotel ist der Verkehr etwas lebhafter. Es fahren viele Busse durch die Gegend. Zwei Typen habe ich wahrgenommen: Amerikanische Schulbusse und alte Kleinbusse für ca. 20 – 25 Personen, die bei uns nicht durch den TÜV kommen würden.

Anes meint, dass die Schule im Sommer wegen der Hitze schon um 6 Uhr morgens losgeht und bis ca. 11 Uhr geht, aber in diesen Bussen werden Menschen zur Arbeit gefahren. Im Zimmer angekommen falle ich tot ins Bett. Kaum eingeschlafen, fängt der Muezzin seine Predigt und entführt mich in eine andere Welt, weit weg von allem das ich bisher kennenlernen durfte. Fortsetzung folgt.

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